Donnerstag, 25. November 2010
Kleines Glück im ersten Schnee
Obwohl ich nach dem letzten Winter kein Freund von Schnee mehr bin und über Nacht die eine oder andere Flocke fiel - und liegenblieb - habe ich die Morgenrunde mit den Hunden sehr genossen, denn: Maxe konnte die ganze Strecke ohne Leine laufen! "Na und", mag so mancher jetzt sagen, der seinen Hund ständig ohne Leine laufen lassen kann, und so gar nicht versteht, warum mir deshalb schier die Sonne aus dem Allerwertesten scheint. Aber wer die Freude des Hundes gesehen hat, der da in Bocksprüngen durch die eingeschneiten Felder jagte, begreift meine Freude.

Dass der Maxe nur mit Vorsicht von der Leine gelassen werden kann, war anfangs noch nicht abzusehen. Da trottete er brav neben uns her und wenn er sich einmal etwas weiter entfernte, schaute er von selbst danach, uns bloß nicht zu verlieren. Nach fünf oder sechs Wochen jedoch, als er sowohl uns als auch die Umgebung einschätzen konnte, unternahm er die ersten Alleingänge. Er lief nicht wirklich fort, war aber auch nicht abrufbar und scherte sich einen feuchten Kehrricht darum, schrien wir nach ihm, egal in welchem Tonfall. Und da westlich die vielbefahrene Bundesstraße liegt und östlich der Wald mit seinen vielen Förstern, Jägern und Hochstühlen, machte uns die Unzuverlässigkeit des Hundes großes Kopfzerbrechen, dennn nicht einmal das Sichentfernen von unserer Hündin, welche zu 99,9 % zuverlässig abzurufen ist, störte den Malamuten auf Entdeckungsreise.

So kam es, dass der arme Kerl gerade zu der Zeit an die Leine musste, als er das Rennen und Toben für sich entdeckt hatte. Mehr als einmal ruckte es auf beiden Seiten der Leine sehr schmerzhaft, wenn der Maxe übermütig ins Rennen geriet. Und mehr als einmal blutete mir das Herz, wenn er mich fragend anschaute. Aber: so nicht, mein lieber Freund - zu deiner eigenen Sicherheit.

Wir übten also an der 8 Meter Flexi (bei dem Matsch ist eine Schleppleine wahrlich keine Freude!) den Radius um uns herum und das Achten auf den Hundeführer. Erreichte Maxe das Ende der Leine, blieb ich stehen, schaute mir die Landschaft an, machte keinen einzigen Schritt und wartete. Darauf, dass Maxe sich mir zuwandte, auf mich zukam, sein Interesse wieder alleine mir gewidmet war. Tat er das, bekam er ein Jubellob und ein abschließendes "Weiter". Natürlich klappte das nicht immer und überall. Und natürlich ist die Welt für einen jungen Hund, der bisher kaum etwas davon gesehen hat, viiiiiel spannender als ein doofes Frauchen, dass zu Stein erstarrt herumsteht. Und natürlich fluchte das Frauchen im strömenden Regen lautlos in unfeinen Tönen vor sich hin. Aber irgendwann begriff der Hund, worum es ging und wenn man schon einmal richtig nass ist, dann ist jeder weitere Regentropfen auch egal.

Kurioserweise blieb der Maxe zuverlässig in meiner Nähe, waren fremde Hunde anwesend. Sogar dann, wenn die fremden Hunde sich als rechte Flegel mit tauben Ohren entpuppten. Ein leises Wort, eine knappe Geste und der Maxe war an meiner Seite. Zwischendrin rannte er ausgelassen mit Molly und dem fremden Hund über die Felder und zeigte unverhohlen Freude an der Gesellschaft. Nach einigem Überlegen kam ich dahinter, warum er genau dann so ein gut hörender Hund war: er war unsicher, was passieren würde, würde er sich zu weit entfernen und wäre allein mit dem fremden Hund. Sicher ist sicher, und noch sicherer ist es, in der Nähe von Frauchen zu bleiben. Das nutzte ich dann doch gleich aus um ihn oft zu rufen und jedesmal mit Lob und Leckerchen zu überschütten, aus der Hoffnung heraus, dass er meinen Ruf fest mit positivem Gefühl verknüpfen möge.

Die Wegstrecke, auf der wir oft auf fremde Hunde stießen, war dann auch jene, auf der ich den Maxe schließlich von der Leine ließ, ausgerüstet mit Käsehäppchen und einer Pfeife. Eine Pfeife deshalb, weil diese emotionslos immer dasselbe Geräusch macht und weder schrill vor Panik oder garstig vor Zorn wird. Meiner Erfahrung nach hören Hunde sehr gut heraus, auf welchem Level sich der Mensch gerade befindet und zögern das Herankommen aus genau diesem Grund oftmals absichtlich heraus - manchmal mit gutem Grund. Und auch beim Maxe hat sich die Pfeife schließlich bewährt, denn auf Pfiff kommt er schneller und direkter zu mir, als wenn ich ihn mit nervöser Stimmer rufe.

Wir übten nur das Herankommen. Mit Leckerchen und gänzlich ohne Anleinen, denn wird ein Hund nur gerufen, um ihn anzuleinen, bekommt das Rufen den schalen Beigeschmack des "Spaß vorbei". Und zu meiner riesigen Freude klappte das auch sehr gut. Bald traute ich mich, ihn auch auf weniger von fremden Hunden frequentierten Wegen von der Leine zu lassen. Hier klappte der Rückruf weniger gut, weshalb er an unübersichtlichen Stellen und in der Nähe von Straßenverkehr aus dem Freilauf genommen werden musste. Die Quote von 80 % jedoch reichte mir bereits aus, um weiterhin zu üben, üben, üben.

Und heute kam der Maxe endlich zuverlässig und ohne Umschweife auf jedes Signal zurück. Welche Freude auf beiden Seiten. Dass das natürlich morgen schon wieder ganz anders aussehen kann, weiß ich sehr wohl. Dennoch bestärkt es mich darin, ihm weiterhin viel zuzutrauen und ihn nicht aus Bequemlichkeit oder Angst am Freilauf zu hindern.