Sonntag, 5. Dezember 2010
Samstag mit Hunden
Die befreundete Hundetrainerin hatte Kapazitäten frei, weil von den fest bei ihr gemeldeten 10 Hunden gestern gar keiner Lust hatte, bei diesem eisigen Wind auf dem Hundeplatz zu trainieren. Meiner Meinung nach lag das allerdings nicht an den Hunden, sondern an deren Menschen. Aber egal, bei uns wollten alle raus, Hunde und Menschen. Der Agility-Parcours war aufgebaut und weshalb diesen nicht gleich nutzen?

Molly, die fast achtjährige Hündin, entdeckte ziemlich schnell, dass es sich viel einfacher unter den hohen Hürden hindurch laufen lässt, als mühsam darüber zu springen. Und der die Runde abschließende Ring in der Aufhängung kam ihr vollkommen überflüssig vor. Maxe, der daheim nur mühsam auf das Sofa springt und ins Auto sehr unsicher hineinhüpft, tat sich bereits damit schwer, über eine in den Schnee gelegte Stange zu steigen, wollte lieber außenherum gehen. Ob das an einer tatsächlich vorhandenen Behinderung liegt, oder er selbst nach den langen Monaten im Zwinger nicht weiß, dass er zum Springen in der Lage ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Notfalls per Röntgenaufnahme. Aber erstmal nehmen wir das so hin, wie es ist.

Der Tunnel war für Molly keinerlei Problem. Für Maxe jedoch war es eine irrsinnige Herausforderung. Die er schließlich bestand. Und vollkommen bescheuert jubelnde Menschen applaudierten ihm begeistert.



Es mag für Menschen ohne Hund befremdend wirken, wenn sich erwachsene Menschen wie Mickymäuse aufführen, nur weil der Hund durch einen Spielzeugtunnel gekrochen ist. Oder wenn sie wie ein Alleinunterhalter auf Drogen im Feld stehen und den Hund so zu animieren versuchen, nicht hinter der Katze auf der anderen Seite des Grabens hinterher zu rennen. Und schön blöd kommt sich ein Hundehalter übrigens auch vor, wenn er alle paar Schritte reglos in der Stadt stehenbleibt, während vorndran ein Hund wie ein Irrer in Richtung Mülleimer mit Currywurst-Papierchen zieht. Und am allerblödesten kommt sich Mensch mit Hund vor, wenn er brav mit Tütchen loszieht und die Kackwürste seines Vierbeiners einsammelt und dennoch vom nächsten Passanten auf eine Hinterlassenschaft eines anderen Hundes hingewiesen und großzügig dafür beschimpft wird. Manchmal schämt man sich tatsächlich, Hundehalter zu sein, wenn man sieht, wie rücksichtslos manche sogenannte Hundehalter ihren Hund halten. Und ein gewisses Verständnis für allgemeine Hundeverbote bringt man der Umwelt dann auch entgegen. Aber genug davon, ich kann nur für mich sprechen und handeln und muss eben ausbaden, wenn andere das anders halten.

Die befreundete Hundetrainerin übrigens hat selbst drei Hunde. Und hier zeigt sich ganz deutlich der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie weiß sie sehr genau, wie man einen Hund dazu bringt, zu tun, was man von ihm erwartet. In der Praxis allerdings zerren ihre Hunde genauso an der Leine wie die derjenigen, die Hilfe bei ihr suchen. Ihre Hunde müssen an die Leine genommen werden, wenn sich fremde Hunde nähern (meine übrigens nicht - nicht mehr) und sind ganz normale Hunde wie alle die anderen, die sie trainiert. Vor ein paar Tagen erklärte sie mir, warum das so ist: "Ich habe den ganzen Tag lang mit Hunden zu tun - wobei die eher weniger das Problem sind, als ihre Menschen dahinter. Wenn ich abends heimkomme, habe ich einfach keine Lust und auch keine Kraft mehr, mit meinen eigenen Hunden zu trainieren." Mir leuchtet das durchaus ein und ich weiß, dass sie zurecht Hundetrainerin ist. Jedoch sollte sie Begegnungen ihrer anderen Kunden mit Hunden lieber vermeiden, denn als Referenz taugen sie wirklich nicht.



Der Maxe hat uns gestern am späten Abend dann noch gründlich aus der Fassung gebracht. Die Pfützen, die seit einigen Tagen immer mal wieder im Flur vorgefunden wurden, ordneten wir bis gestern noch dem Versehen zu. Doch gestern abend erwischten wir den Burschi auf frischer Tat, als er ganz unbekümmert das Bein hob und an dem Echtholz-Bücherschrank im Flur herunterpinkelte. Der sofortige Rauswurf in den Garten verschreckte ihn dann dermaßen, dass er hernach nicht mehr hinkommen wollte. Und wir sind ziemlich ratlos, was wir davon halten sollen.