8 Monate nach dem Dahinscheiden unseres einzigartigen und unvergesslichen Charmebolzen
Spike trauerte unsere sensible Erbsenprinzessin
Molly noch immer um ihren Gefährten. Was sie früher niemals getan hatte, tat sie nun mehrmals am Tag: sie stellte sich vor uns uns wimmerte ohne ersichtlichen oder nachvollziehbaren Grund. Und noch eines brach uns fast das Herz: einen Kauknochen, der einst Spike gehörte, den er aber niemals gefressen hatte, trug sie durch das Haus, legte ihn mal hier, mal dort ab, aber benagte ihn nicht. Das i-Tüpfelchen ihrer Trauer war jedoch, dass sie mich mit traurigen Augen anwinselte, als ich ein altes Ritual fortzusetzen wagte. Als Spike noch lebte, brachte ich vom Einkauf gefüllte Minikauknochen mit -die einzigen, die er noch mochte und in seinem Alter auch tatsächlich aufnagen wollte und konnte. Jedemals, wenn ich heimkam, stellte ich den Einkauf ab und kramte als allererstes für jeden Hund einen dieser Miniknochen aus dem Korb. Als ich dieses nun mit Molly so weiter fortsetzen wollte, nahm sie das Präsent nicht an, sondern schlich auf ihren Hundeplatz.
Wir waren uns schließlich einig: ein neuer Zweithund sollte einziehen. Und auch jetzt wieder wollten wir lieber einem Tierheimhund ein Zuhause geben, als einen der unzähligen auf den Markt geworfenen (im wahrsten Sinne des Wortes) Welpen zu kaufen. Aber wie das so ist, wenn man Abschied von einem geschätzten Tier genommen hat, taten wir uns schwer, uns für einen Hund zu entscheiden. Eher halbherzig schauten wir uns immer mal wieder auf den Webseiten der örtlichen Tierheime um, fanden auch immer mal wieder einen Kandidaten, der uns geeignet erschien, aber schritten dann doch niemals zur Tat. Und dann schlief der Gedanke an einen neuen Zweithund unabgesprochen wieder ein. Bis wir eines Tages auf der Webseite des
Tierheim Göttingen den kroatischen Notfallhund "Awik" entdeckten. Ein Hund wie ein Eisbär. Ein Malamut-Mischling, knapp eineinhalb Jahre alt, gross, rund, knuffig und mit herzerweichend traurigen Augen und hängenden Ohren. Die Beschreibung erzählte von einem ruhigen, zurückhaltenden und verschreckten Tier, das sich im
Tierasyl "Spas" in Kroatien sehr schwer tat und trotz seiner üblen Erfahrungen immer noch die Nähe zu Menschen sucht. Awik sollte in die Tötungsstation, weil er einem Huhn nachgelaufen war - ein Verhalten, dass für einen Hund vollkommen normal ist: etwas läuft davon, also läuft Hund hinterher. Zumal als Junghund, der vor Neugierde geradezu platzt. Zu seinem Glück mischten sich die Nachbarn ein und brachten den jungen Hund ins Tierasyl Spas, wo er bereits ein halbes Jahr war, als wir ihn schließlich entdeckten.
Wir sprachen recht kurz miteinander über diesen Hund als neues Familienmitglied und noch am gleichen Tag riefen wir die Telefonnummer unter Awiks Beschreibung an. Leider war nur ein Anrufbeantworter am anderen Ende der Leitung und so schickten wir noch rasch eine Mail hinterher. Mit der Frau, die sich dann bei uns meldete, kamen wir schnell überein: Awik ist der richtige Hund für uns und mit dem nächsten Transport von Kroatien nach Deutschland soll er unser neuer Zweithund werden.
In unserer Vorfreude erzählten wir natürlich Freunden und Bekannten von unserem baldigen Neuzuwachs und informierten uns auf allen möglichen Wegen über das Wesen des Malamut. Und was uns Freunde und Bekannte ans Herz legten, lasen wir auch überall, wo wir nach Informationen suchten: ein Malamut ist ein schwieriger, sturer Hund mit einem unbändigen Bewegungsdrang, dem nur sehr sportliche Menschen mit unendlichem Zeitvorrat gerecht werden können. Erste Zweifel waren gesät, ob wir die richtigen Menschen für diesen Hund sein können, ob wir überhaupt zu leisten vermögen, was dieser Hund uns abverlangen wird. Schließlich entschuldigte wir uns bei der freundlichen Dame und zogen unsere Übernahmeanfrage zurück.
Tage und Wochen vergingen und immer wieder sprachen wir über den Malamut-Mix in Kroatien. Was wird aus ihm, wenn er noch einmal sechs Monate im Tierasyl verbringen muss, oder gar niemals jemand bereit ist, ihm eine zweite Chance zu geben? Und ist es tatsächlich zu wenig, was wir ihm mit unserer jahrelangen Hundeerfahrung und den täglichen zweimal eine Stunde in freier Natur bieten können? Ist das nicht immer noch 100 % mehr als das, was er jetzt hat, wo doch auf ca. 400 Hunde in Tierasy Spas eine handvoll Menschen kommen, die aus massivem Zeitmangel nur füttern und pflegen, jedoch nicht spazieren gehen, spielen und kuscheln können?
Wir riefen erneut bei der freundlichen Frau an und teilten ihr unsere Gedanken und Überlegungen mit. Nach Rücksprache mit dem Tierasyl in Kroatien wollte sie mit uns gemeinsam überlegen, ob Awik bei uns richtig sein würde. Awik ist in Kroatien ein sehr ruhiger Hund, der weder wild herumrennt, noch nervös oder überdreht herumzappelt. Er ist relativ ausgeglichen, angesichts der vielen Hunde, die um ihn herumwuseln und recht zufrieden damit, bei den kleineren Hunden untergebracht worden zu sein, wo er besser zurechtkommt, als bei den großen, vor denen er Angst hat. Nach einigen weiteren Gesprächen, sowohl intern, als auch mit der lieben Frau der Tierhilfe
Aktiv für Hunde in Not entschieden wir uns endgültig für Awik.
Bereits am 26. September sollte der nächste Tiertransport stattfinden und wenn alles klappt, würde Awik dabei sein.