Weihnacht ist Hoffnung
Die Post ist fertig. Das Schwerste daran war, herauszufinden, wie die Anschrift zu gestalten ist. Mit Hilfe der lieben Frau des deutschen Tierschutzvereins klappte das schließlich auch. Ein paar Fotos vom Maxe dazu und im Internet ersuchte Weihnachtsgrüße auf kroatisch. Ein so kleiner Aufwand, der hoffentlich große Freude schenkt.

Die Bilder der Hunde, die da knöcheltief im Wasser stehen, Schutz nur in durchweichten Hütten finden und Tag und Nacht durchnässt verbringen - für mich sind das Fotos, die ich anschaue und mich dann etwas anderem widme. Die Tierschützer in Kroatien jedoch, können sich nicht einfach etwas anderem widmen. Sie stehen selbst im Wasser und sehen das Elend. In echt und nicht nur auf Fotos. Solche Menschen, die täglich zur Tötungsstation fahren und die Hunde dort Gassi führen, weil im Tierasyl kein Platz mehr ist und ihnen das Herz bricht, bei dem Gedanken an die verängstigten, todgeweihten Tiere dort. Sie hoffen, die Hunde morgen oder übermorgen mitnehmen zu können, und sie hoffen, dass diese solange durchhalten, in der unbeschreiblichen Atmosphäre der Tötungsstation, bis sich ein Platz im Asyl finden lässt. Solche Menschen, die in Supermärkten leere Kartons sammeln, um den Hunden daraus Schutzzonen zu bauen, in denen sie sich ansatzweise zurückziehen können, weil es an allem mangelt im Spas, nur nicht an Hoffnung. Hoffnung! Darauf, dass einige der Hunde es schaffen, ein hundewertes Leben führen zu dürfen. Beschützt und respektiert, mit einem sicheren Platz in einer sicheren Umgebung und so gehalten, dass es einfach Hunde sein dürfen, bis ans Ende ihres leidgeprüften Lebens.

Ich schäme mich für die freundlichen Zeilen und den Dank darin, nur weil ich einen Hund aufgenommen habe von dort. Die freundliche Frau vom deutschen Tierschutzverein macht mich verlegen und ich denke jedesmal, dass das so nicht stimmt. Ich sitze in Deutschland in meinem warmen, trockenen Haus und ich sorge dafür, dass alles so ist, wie es sein soll. Und dann kann ich ruhig schlafen und alles ist gut und was noch nicht gut ist, wird es werden, dessen bin ich mir sicher. Doch solche Menschen wie die handvoll Tierschützer im Asyl Spas, solche Menschen haben nur ihre Hoffnung, während sie teilweise unerträglich panisch verängstigte Tiere mit offenen, eiternden Wunden versorgen und es niemals so ist, wie es sein soll, weil das einfach nicht zu schaffen ist. 400 Tiere auf fünf Menschen. Jeden Tag. Niemals wird es so sein, dass es gut ist und ich habe allergrößten Respekt vor diesen Menschen, die dennoch nicht aufgeben, in dieser geradewegs auswegslosen Situation. Sie machen weiter. Jeden Tag. Und geben ihr Bestes. Jeden Tag. Trotz allen chronischen Elends. Ich könnte das nicht. Ich würde vermutlich eines Tages nicht wiederkommen, weil ich es nicht ertragen könnte, immer nur ein Loch zu stopfen, während ringsherum hundert neue aufbrechen. Immer nur einem Tier eine gewissen Annehmlichkeit zu bereiten, während hunderte anderer im Wasser stehen. Ich würde es irgendwann nicht mehr ansehen können, das Elend.

Dem Maxe geht es gut. Und jeden Tag besser. Er hat noch gewisse Ängste, aber sie werden weniger. Und wenn er einmal furchtsam zurückweicht, lässt er sich inzwischen rasch wieder beruhigen. Im Schnee kann er nicht langsam gehen, nein, er muss rennen. Den Rücken zu einer Kugel gebogen, den Schwanz erhoben, rast er wie ein Irrer durch die Schneewehen. Er liebt es, weit voraus zu laufen und sich dann von mir zurückrufen zu lassen. Noch ein wenig schneller und noch ein wenig schneller kommt er zu mir zurückgerast und es scheint fast, als würde er breit grinsen. Er schläft morgens gern ein bisschen länger und liebt seinen Kong über alles. Stundenlang lutscht er daran herum, auf der Suche nach einem letzten Krümelchen. Nur den Opa, den mag er immer noch nicht. Und das wurmt den Opa sehr. Daraus haben die beiden eine Art Ritual entwickelt: Der Opa lockt den Hund und der Hund weicht zurück, lässt sich auf keinen Fall vom Opa anfassen und wenn der Opa ihn gar nicht in Ruhe lässt, bellt der Hund verhalten. Es braucht nur einen klugen Kopf, um dieses Ritual zu durchbrechen. Ich warte noch immer, dass einer der beiden diesen klugen Kopf benutzt.

Es weihnachtet. Weihnachten ist Liebe. Und Hoffnung.