Dieses liebe
Mädel wüsste ich sooo gerne zu Weihnachten in einer Familie mit Herz und Hundeverstand, dass es mich ganz traurig macht, hier noch nicht so weit zu sein, mit gutem Gewissen "Komm!" rufen zu können. Und die Freunde und Bekannten, denen ich es zutrauen würde, haben bereits einen Hund und trauen sich keinen zweiten zu. Dabei wäre gerade dieses Mädel doch ein fantastischer Zweithund!
Ich würde sie so gerne nehmen, aber der Maxe braucht noch Zeit. Zeit, sich ganz sicher zu werden in allem und vor allem im Umgang mit uns. Sicher darin, dass er sicher ist bei uns. Dass, egal, was er auch tut oder um ihn herum geschieht, alles gut ist. Dass auch Kritik nichts schlimmes ist, sondern einfach ein Ausdruck einer anderen Meinung und eines anderes Wunsches seiner Menschen, die ihn aber dennoch schätzen und lieben und ihm nichts böses tun. Ein halbes Jahr, so denke ich, braucht er insgesamt und dieses halbe Jahr ist Ende März nächsten Jahres um. Eigentlich keine lange Zeit, wenn man im Warmen sitzt und seine Kuschelecke hat. Sitzt man jedoch draußen im Tumult, dann schaut das schon anders aus.
Apropos anders: es stimmt, dass die hiesigen Tierheime voll sind und dringend nach Entlastung suchen. Und ja, auch die deutschen Tierasyle brauchen Unterstützung und dort warten unzählige Hunde auf ihre Menschen. Ebenfalls warten unzählige Welpen bei ihren Züchtern darauf, abgeholt zu werden. Und jeder Mensch soll sich seinen Hund dort holen, woher er mag. Von vorn herein jedoch auszuschließen, einen Hund aus dem Ausland zu holen, nur weil er eben nicht aus einer deutschen Notlage herausgeholt wird, ist für mich nicht nachvollziehbar. Mit einem solchen Heimatbewusstsein dürfte dann auch nicht die ausländische Herzensdame geheiratet werden, weil es in Deutschland genug einsame Frauenherzen gibt, die darauf warten, entdeckt und geliebt zu werden. Es dürften keine ausländischen Autos gekauft werden, weil die deutschen Autohäuser überfüllt mit Neuwagen sind. Viele Hunderassen dürfte es in Deutschland gar nicht geben, weil sie ursprünglich aus dem Ausland stammen und zu einer Zeit importiert worden sind, als Deutschland geradezu vor deutschen Schäferhunden strotzte. Und der französische Weichkäse im Supermarkt bedeutet dem deutschen Milchprodukterzeuger finanzielle Gewinneinbussen.
Das Argument, dass mit der Verneinung der Hilfe für nichtdeutsche Notfalltiere den ausländischen Hundeproduzenten das Wasser abgegraben werden soll, ist ein billiges Argument, denn es gibt ebenso viele deutsche Hundeproduzenten, wie es davon ausländische gibt. Wer hat noch nie in seiner Tageszeitung Anzeigen entdeckt, in denen Welpen vieler verschiedener Hunderassen angeboten werden und sich dabei nicht gefragt, wie das denn um Himmels willen zustande gekommen ist. Da hat nicht ein Hundliebhaber seine Hündin decken lassen, um die Welpen innerhalb der Familie aufzuziehen, sondern jemand hat aus Gewinnsucht mehrere Hündin werfen lassen und versucht nun, die Welpen zu verhökern. Diese werden sicherlich auch irgendwo landen, zuletzt dann im Tierheim, und sollen die nun auch aus den deutschen Tierheimen nicht genommen werden, um diese Art von Züchtern in ihre Schranken zu weisen? Wie soll das, bitte schön, gehen? Sollen die Hunde einen Lebenslauf bei sich tragen, aus dem hervorgeht, ob sie Hilfe erhalten dürfen, oder ob man sie aus pädagogischen Gründen bis an ihr Lebensende in einem Tierheim verbleiben lässt? Und wer ist letztlich gestraft worden? Tier oder Tierproduzent? Nein, so schön und durchdacht sich diese Thesen auch anhören mögen, so wenig lassen sie sich durchführen, ohne den zu strafen, der am allerwenigsten etwas dazu kann, nämlich das Tier.
Ich unterstütze durch Mitgliedschaft auch eines der hiesigen Tierheime und mehrere meiner früheren Hunde kamen aus der Gegend. Sollte ich eines Tages mein Herz an einen Hund eines hiesigen Tierheimes verlieren, wird dieser hier bei mir Einzug halten. Nicht, weil er aus eben einem hiesigen Tierheim, sondern weil es der Hund ist, der zu mir, zu uns passt und den ich gerne um mich hätte. Was ich aber niemals tun werde und auch noch nicht getan habe ist, einen Welpen bei einem Züchter zu kaufen. Nicht, weil ich nicht wüsste, dass es liebevolle und verantwortungsbewusste Hundezüchter gibt, sondern weil ich weiss, dass ich zu den Menschen gehöre, die einem "Gebrauchthund" eine zweite Chance zu geben vermögen - ungeachtet dessen, ob der einen deutschen Lebenslauf hat oder einen vom Nordpol oder Mars.
Übrigens spende ich regelmäßig Geld für notleidende Kinder aus aller Herren Länder, obwohl ich weiß, dass auch deutsche Kinder von Armut bedroht sind. Ich kann die Welt nicht retten, niemand kann das alleine tun, aber irgendwo muss man ja anfangen, und deshalb gibt es Menschen, die im Inland helfen und solche, die es im Ausland tun, so wenig diese Hilfe auch bewirken mag und so laut auch die schreien mögen, die meinen, man würde im Ausland damit nur die tyrannische Regierung stützen, die sich ja auch nicht um das eigene Volk schert. Mag sein, sage ich, aber wer wird durch Missachtung ausländischer Not gestraft - der Tyrann oder das hungernde Volk? Und was wäre, wären wir hier die "Ausländer", die dringend Hilfe brauchen und der Rest der Welt würde sagen: "Was geht es mich an, die haben doch selber Schuld daran" ? Wir würden das natürlich verstehen und schulterzuckend im eigenen Elend versinken... oder vielleicht doch nicht?