Ob das neue Jahr
... sehr viel anders wird, als das alte, wird sich schon zeigen. Gezeigt hat sich indes bereits, dass der Maxe dem Silvesterkrach absolut souverän gegenüber steht. Wo Molly bereits ab hellem Nachmittag zu hecheln und zu sabbern anfing, zuckte der Maxe nicht einmal mit den Ohren. Sein Interesse galt in keinster Weise dem Geknalle der Kinder und Jugendlichen vorm Haus, sondern viel mehr den Gerüchen aus der Küche, wo wir mit Freunden bei Fondue und Kartenspiel saßen.
Molly, durch eine Augenentzündung ohnehin nicht ganz auf dem Posten, war auch am Neujahrstag nicht recht zu gebrauchen. Jedes gerade angefangene Spiel mit Maxe brach sie sofort ab, wenn sie auch nur vermutete, dass irgendwo jemand einen Böller gezündet hat. Der Maxe fand das äusserst doof und zeigte sich plötzlich aufmüpfig der Hündin gegenüber, die bisher stets ganz klar das Kommando unter den Hunden gab. Mich nicht einmischend, beobachtete ich, wie das Kräfteverhältnis zu kippen drohte. Und dann hatte ich die Idee, mich viele Wochen nach der Knieoperation wieder einmal auf dem Crosstrainer auszutoben. Rückwärtsgehend, mit eingeklemmten Schwanz und verhalten bellend, sprang der Maxe entsetzt davon, als ich das Gerät in Fahrt brachte. Und traute sich auch nicht mehr aus dem Flur zurückzukehren. Ihn nicht weiter beachtend, war ich darauf bedacht, eine halbe Stunde vollzumachen, als plötzlich die Hündin von ihrem Lager aufstand und sich direkt vor die sich bewegenden Handgriffe stellte. Dort blieb sie stehen, weder mich, noch den Crosstrainer ansehend, sondern den Blick direkt und fest auf Maxe gerichtet, der am Ende des Flurs ängstlich an die Haustür gedrückt saß. Die wettgemachten Punkte, die die Hündin sich damit erschlichen hat, verlor sie allerdings am Abend durch vermehrtes Sabbern und Hecheln nach einem Knall draußen vorm Fenster.
Herr Maxe von Plootsch wird noch immer und stets sicherer im Umgang mit sich selbst und seiner Umwelt. Hundebegegnungen im freien Feld meistert er mit neugierig erhobener Rute und souveräner Körpersprache. Auf Teilstücken, die wenig befahren und sehr übersichtlich sind, geht er inzwischen auch im Dorf ohne Leine, tendiert aber dazu, weit vorauszulaufen, so dass wir ihn oft daran hindern müssen, in fremde Gärten zu spazieren. Diese grosse Neugier, trotz aller Ängste, die er nach wie vor hat, ist zwar mitunter lästig, aber durchaus verständlich, ist doch davon auszugehen, dass Maxe bisher kaum bis gar nichts gesehen hat von der Welt um ihn herum. So lassen wir ihn nach wie vor möglichst ausgiebig schnüffeln und stöbern, und wenn es auch nur ein Plastiksack oder alter Gehstock ist, der ihn so dermaßen interessiert.
Sein Beweglichkeit hat weiter zugenommen. Musste man ihn anfangs beinahe ins Auto heben, springt er nun locker und aus weiter Entfernung hinein. Ebenso fliegt er geradezu über Gräben und jagt mit Vorliebe durch hohe Schneewehen. Das Vorankommen ist für den Menschen dieser Tage im Feld recht schwer. Der beständige Wechsel zwischen Frost und Tauwetter hat eine dicke Eisschicht wachsen lassen, die sich an vielen Stellen unter losem Schnee verbirgt. Die Wege sind mit Treckerspuren durchzogen und alles in allem ist jede Hunderunde anstrengend unwegsam. Und hier hat sich inzwischen gezeigt, dass der Maxe zwar auf der einen Seite endlich seinem jungen Alter entsprechend tollt und tobt, aber dennoch immer auch ein Auge auf uns Menschen hat. Bleiben wir stehen oder werden wir sehr langsam, um uns nicht die Beine auf einem sehr vereisten Wegstück zu brechen, kehrt er sofort um und kommt angerannt um nach uns zu sehen. Anfangs hat er für jedes Herankommen ein Leckerchen bekommen, aber angesichts der häufigen Unterbrechungen haben wir die Belohnungen deutlich heruntergeschraubt und es ist für den Hund jedesmal eine Überraschung, bekommt er doch noch etwas.
Maxe ist bei weitem noch nicht so zuverlässig und empfänglich für jedes noch so beiläufig gesprochene Kommando wie Molly, aber er reagiert immer schneller und sicherer. So bleibt er tatsächlich immer sofort stehen, wird ihm dieses aufgrund eines sich nähernden Fahrzeuges abverlangt. Ebenso springt er nicht unaufgefordert aus dem Auto, öffnet man die Wagenklappe, sondern wartet darauf, dass ihm dieses erlaubt wird.
Es scheint fast so, als wäre er sich selbst erst in den letzten Tagen darüber bewusst geworden, ein junger Hund von ca. anderthalb Jahren zu sein. Seine gesamte Körperhaltung hat sich verändert, seine Bewegungen sind ausholender, ungehemmter geworden und sogar sein Gesichtsausdruck ist ein anderer. Überdies hat er vor allem im Kopf- und Nackenbereich eine andere, viel hellere Fellfarbe bekommen und nun überwiegen die typischen Wolfsfarben in seinem Erscheinungsbild.
Und noch eines hat sich zum Jahreswechsel geändert: Maxe traut sich nun, sich dem Opa zu nähern. Zwar noch immer vorsichtig und zur Flucht bereit, aber immerhin! Anzumerken ist an dieser Stelle noch, dass das nicht der Verdienst von Opa war, sondern der Maxe irgendwann der klügere Kopf gewesen ist.
04. Januar 11
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren