Donnerstag, 9. Dezember 2010
Es juckt...
... die Sarcoptes-Milbe. Leider. Aber immerhin endlich Gewissheit, was es ist und die nötige Behandlung. Also dann alle Decken und Kissen raus und auch das Auto nicht vergessen.



Mittwoch, 8. Dezember 2010
Weihnacht ist Hoffnung
Die Post ist fertig. Das Schwerste daran war, herauszufinden, wie die Anschrift zu gestalten ist. Mit Hilfe der lieben Frau des deutschen Tierschutzvereins klappte das schließlich auch. Ein paar Fotos vom Maxe dazu und im Internet ersuchte Weihnachtsgrüße auf kroatisch. Ein so kleiner Aufwand, der hoffentlich große Freude schenkt.

Die Bilder der Hunde, die da knöcheltief im Wasser stehen, Schutz nur in durchweichten Hütten finden und Tag und Nacht durchnässt verbringen - für mich sind das Fotos, die ich anschaue und mich dann etwas anderem widme. Die Tierschützer in Kroatien jedoch, können sich nicht einfach etwas anderem widmen. Sie stehen selbst im Wasser und sehen das Elend. In echt und nicht nur auf Fotos. Solche Menschen, die täglich zur Tötungsstation fahren und die Hunde dort Gassi führen, weil im Tierasyl kein Platz mehr ist und ihnen das Herz bricht, bei dem Gedanken an die verängstigten, todgeweihten Tiere dort. Sie hoffen, die Hunde morgen oder übermorgen mitnehmen zu können, und sie hoffen, dass diese solange durchhalten, in der unbeschreiblichen Atmosphäre der Tötungsstation, bis sich ein Platz im Asyl finden lässt. Solche Menschen, die in Supermärkten leere Kartons sammeln, um den Hunden daraus Schutzzonen zu bauen, in denen sie sich ansatzweise zurückziehen können, weil es an allem mangelt im Spas, nur nicht an Hoffnung. Hoffnung! Darauf, dass einige der Hunde es schaffen, ein hundewertes Leben führen zu dürfen. Beschützt und respektiert, mit einem sicheren Platz in einer sicheren Umgebung und so gehalten, dass es einfach Hunde sein dürfen, bis ans Ende ihres leidgeprüften Lebens.

Ich schäme mich für die freundlichen Zeilen und den Dank darin, nur weil ich einen Hund aufgenommen habe von dort. Die freundliche Frau vom deutschen Tierschutzverein macht mich verlegen und ich denke jedesmal, dass das so nicht stimmt. Ich sitze in Deutschland in meinem warmen, trockenen Haus und ich sorge dafür, dass alles so ist, wie es sein soll. Und dann kann ich ruhig schlafen und alles ist gut und was noch nicht gut ist, wird es werden, dessen bin ich mir sicher. Doch solche Menschen wie die handvoll Tierschützer im Asyl Spas, solche Menschen haben nur ihre Hoffnung, während sie teilweise unerträglich panisch verängstigte Tiere mit offenen, eiternden Wunden versorgen und es niemals so ist, wie es sein soll, weil das einfach nicht zu schaffen ist. 400 Tiere auf fünf Menschen. Jeden Tag. Niemals wird es so sein, dass es gut ist und ich habe allergrößten Respekt vor diesen Menschen, die dennoch nicht aufgeben, in dieser geradewegs auswegslosen Situation. Sie machen weiter. Jeden Tag. Und geben ihr Bestes. Jeden Tag. Trotz allen chronischen Elends. Ich könnte das nicht. Ich würde vermutlich eines Tages nicht wiederkommen, weil ich es nicht ertragen könnte, immer nur ein Loch zu stopfen, während ringsherum hundert neue aufbrechen. Immer nur einem Tier eine gewissen Annehmlichkeit zu bereiten, während hunderte anderer im Wasser stehen. Ich würde es irgendwann nicht mehr ansehen können, das Elend.

Dem Maxe geht es gut. Und jeden Tag besser. Er hat noch gewisse Ängste, aber sie werden weniger. Und wenn er einmal furchtsam zurückweicht, lässt er sich inzwischen rasch wieder beruhigen. Im Schnee kann er nicht langsam gehen, nein, er muss rennen. Den Rücken zu einer Kugel gebogen, den Schwanz erhoben, rast er wie ein Irrer durch die Schneewehen. Er liebt es, weit voraus zu laufen und sich dann von mir zurückrufen zu lassen. Noch ein wenig schneller und noch ein wenig schneller kommt er zu mir zurückgerast und es scheint fast, als würde er breit grinsen. Er schläft morgens gern ein bisschen länger und liebt seinen Kong über alles. Stundenlang lutscht er daran herum, auf der Suche nach einem letzten Krümelchen. Nur den Opa, den mag er immer noch nicht. Und das wurmt den Opa sehr. Daraus haben die beiden eine Art Ritual entwickelt: Der Opa lockt den Hund und der Hund weicht zurück, lässt sich auf keinen Fall vom Opa anfassen und wenn der Opa ihn gar nicht in Ruhe lässt, bellt der Hund verhalten. Es braucht nur einen klugen Kopf, um dieses Ritual zu durchbrechen. Ich warte noch immer, dass einer der beiden diesen klugen Kopf benutzt.

Es weihnachtet. Weihnachten ist Liebe. Und Hoffnung.



Sonntag, 5. Dezember 2010
Samstag mit Hunden
Die befreundete Hundetrainerin hatte Kapazitäten frei, weil von den fest bei ihr gemeldeten 10 Hunden gestern gar keiner Lust hatte, bei diesem eisigen Wind auf dem Hundeplatz zu trainieren. Meiner Meinung nach lag das allerdings nicht an den Hunden, sondern an deren Menschen. Aber egal, bei uns wollten alle raus, Hunde und Menschen. Der Agility-Parcours war aufgebaut und weshalb diesen nicht gleich nutzen?

Molly, die fast achtjährige Hündin, entdeckte ziemlich schnell, dass es sich viel einfacher unter den hohen Hürden hindurch laufen lässt, als mühsam darüber zu springen. Und der die Runde abschließende Ring in der Aufhängung kam ihr vollkommen überflüssig vor. Maxe, der daheim nur mühsam auf das Sofa springt und ins Auto sehr unsicher hineinhüpft, tat sich bereits damit schwer, über eine in den Schnee gelegte Stange zu steigen, wollte lieber außenherum gehen. Ob das an einer tatsächlich vorhandenen Behinderung liegt, oder er selbst nach den langen Monaten im Zwinger nicht weiß, dass er zum Springen in der Lage ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Notfalls per Röntgenaufnahme. Aber erstmal nehmen wir das so hin, wie es ist.

Der Tunnel war für Molly keinerlei Problem. Für Maxe jedoch war es eine irrsinnige Herausforderung. Die er schließlich bestand. Und vollkommen bescheuert jubelnde Menschen applaudierten ihm begeistert.



Es mag für Menschen ohne Hund befremdend wirken, wenn sich erwachsene Menschen wie Mickymäuse aufführen, nur weil der Hund durch einen Spielzeugtunnel gekrochen ist. Oder wenn sie wie ein Alleinunterhalter auf Drogen im Feld stehen und den Hund so zu animieren versuchen, nicht hinter der Katze auf der anderen Seite des Grabens hinterher zu rennen. Und schön blöd kommt sich ein Hundehalter übrigens auch vor, wenn er alle paar Schritte reglos in der Stadt stehenbleibt, während vorndran ein Hund wie ein Irrer in Richtung Mülleimer mit Currywurst-Papierchen zieht. Und am allerblödesten kommt sich Mensch mit Hund vor, wenn er brav mit Tütchen loszieht und die Kackwürste seines Vierbeiners einsammelt und dennoch vom nächsten Passanten auf eine Hinterlassenschaft eines anderen Hundes hingewiesen und großzügig dafür beschimpft wird. Manchmal schämt man sich tatsächlich, Hundehalter zu sein, wenn man sieht, wie rücksichtslos manche sogenannte Hundehalter ihren Hund halten. Und ein gewisses Verständnis für allgemeine Hundeverbote bringt man der Umwelt dann auch entgegen. Aber genug davon, ich kann nur für mich sprechen und handeln und muss eben ausbaden, wenn andere das anders halten.

Die befreundete Hundetrainerin übrigens hat selbst drei Hunde. Und hier zeigt sich ganz deutlich der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie weiß sie sehr genau, wie man einen Hund dazu bringt, zu tun, was man von ihm erwartet. In der Praxis allerdings zerren ihre Hunde genauso an der Leine wie die derjenigen, die Hilfe bei ihr suchen. Ihre Hunde müssen an die Leine genommen werden, wenn sich fremde Hunde nähern (meine übrigens nicht - nicht mehr) und sind ganz normale Hunde wie alle die anderen, die sie trainiert. Vor ein paar Tagen erklärte sie mir, warum das so ist: "Ich habe den ganzen Tag lang mit Hunden zu tun - wobei die eher weniger das Problem sind, als ihre Menschen dahinter. Wenn ich abends heimkomme, habe ich einfach keine Lust und auch keine Kraft mehr, mit meinen eigenen Hunden zu trainieren." Mir leuchtet das durchaus ein und ich weiß, dass sie zurecht Hundetrainerin ist. Jedoch sollte sie Begegnungen ihrer anderen Kunden mit Hunden lieber vermeiden, denn als Referenz taugen sie wirklich nicht.



Der Maxe hat uns gestern am späten Abend dann noch gründlich aus der Fassung gebracht. Die Pfützen, die seit einigen Tagen immer mal wieder im Flur vorgefunden wurden, ordneten wir bis gestern noch dem Versehen zu. Doch gestern abend erwischten wir den Burschi auf frischer Tat, als er ganz unbekümmert das Bein hob und an dem Echtholz-Bücherschrank im Flur herunterpinkelte. Der sofortige Rauswurf in den Garten verschreckte ihn dann dermaßen, dass er hernach nicht mehr hinkommen wollte. Und wir sind ziemlich ratlos, was wir davon halten sollen.