Und wo sich andere noch den Kopf zerbrechen über die Unnötigkeit, Hunden aus anderer Herren Länder Hilfe angedeihen zu lassen, hat das Göttinger Tierheim ohne langes Fackeln gerade dieses getan und zwei arme Wesen aus Kroatien aufgenommen, als gerade Platz genug war. Ohne Diskussion über Sinn oder Unsinn, über die andere Seite von Mitleid, über deutsch oder eben nicht deutsch.
So einfach ist das manchmal.
Am Wochenende war bei den Männern
Bosseln angesagt und weil ich mit Molly ohnehin einmal wieder etwas alleine unternehmen wollte, durfte der Maxe mit der Horde vergnügter Herren losziehen und Molly mit mir auf den Hundeplatz mit aufgestelltem Agility-Parcours.
Während Molly mit zunehmender Nervosität wegen beginnender Läufigkeit zu kämpfen hatte und somit jeder Hund auf dem Platz ein Einschnitt in ihre Konzentration bedeutete, zeigte Maxe sich inmitten singender, lachender, johlender und scherzender Herren von seiner besten, von seiner Liebhundseite. Sein zurückhaltendes, ruhiges und vorsichtiges Wesen bescherte ihm sofort ein Dutzend neuer Menschenfreunde und souverän marschierte er, der vor kurzem noch vor Fremden zurückscheute, mitten drin im Pulk. Streckenweise durfte er sogar, angeleitet und geführt, den Getränkebollerwagen ziehen und in den Pausen regnete es von allen Seiten Brocken von Schmalzstullen und anderen Leckereien.
Molly indes zeigte, dass ihr Sprünge über hohe Hindernisse nicht allzu sehr liegen, sie aber mit Wonne balanciert und Slalom läuft. Für ihre acht Jahre und ihren grauen Bart ist sie erstaunlich agil und steht in Geschwindigkeit auch den jungen Hund nicht nach, das Springen allerdings mag sie nicht so sehr - es ist jedoch auch mit ihr niemals trainiert worden, da wir meterhohe Gartenzäune nicht wirklich mögen. Die Anwesenheit von vielen vollkommen fremden Hunden meisterte sie letztlich doch souverän und ein Kommando "Platz" löste sie nicht auf, bevor es ihr erlaubt wurde.
Kaputt und müde waren beide Hunde am Abend und die Freude riesengroß, als alle wieder daheim aufeinander trafen.
Wenn jetzt noch das Wetter etwas weniger nass werden würde, könnte ich auch mal wieder die Kamera mitnehmen. Schauen wir mal, wie es am nächsten Wochenende wird - die Aussichten stehen zur Zeit nicht schlecht.
Im Ort steht an einem Gehweg eine 2 Meter hohe Mauer, darauf wuchert wild eine Buchenhecke. Hinter der in diesen Wochen kahle Hecke wetzt und kläfft sich ein Bordercollie-Mischling die überschüssige Energie aus dem Balg. Er kläfft Passanten an, Autos, Kunden der gegenüber liegenden Kreissparkassenfiliale, Mofas, Fahrräder, vorüberfliegende Vögel, den Wind, die Sonne, die Grashalme unter seinen Pfoten. Und rennt dabei wie ein Bekloppter an der Hecke hin und her.
Die Hündin kann diesen Kläffer nicht leiden. Würde man sie lassen, würde sie an der Mauer empor springen und beim Gekläffe mitmachen. Lässt man sie nicht, geht sie an der Mauer vorbei und jault und winselt dabei unter mühsam bezwungener Aufregung. So war es bisher. Nun aber kommt Maxe dazu. Der nämlich kann weder den aufgeregten Kläffer oberhalb der Mauer recht verstehen, noch das nervöse Gehabe der Hündin. Die Hälfte der Mauer geht er nebenher, beobachtend, lauschend, schauend, und kurz vor Ende der Mauer verfällt er in wildes Knurren und beisst die Hündin mit aufgestellten Nackenhaare seitlich weg. Die duckt sich kurz und geht dann eilig weiter, lautlos und sichtlich irritiert.
Ich versuche noch, das einzuordnen. Hat Maxe seine eigene Anspannung aufgrund des Tumults um ihn herum einfach an der Hündin abzubauen versucht oder meinte er, er müsse jetzt regulierend eingreifen? Wollte er eigentlich den Kläffer hinter der Hecke ermahnen, kam aber an diesen nicht heran und hat sich dann einfach den nächstbesten Hund gegriffen?
Muss ich in Zukunft damit rechnen, an dieser Mauer mit Hecke und rasendem Hund dahinter zwei nervöse Hunde vorbeiführen zu müssen?
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