Mittwoch, 16. Februar 2011
Die feindliche Übernahme...
... geschah in kleinen Schritten und sehr subtil. Da aber das Sofa ohnehin nicht mehr schön war und wir seit längerem über neue Sitzgelegenheiten in der "guten Stube" nachdachten, haben wir es letztlich gestattet. Das andere, dazugehörige Sofa ist jedoch weiterhin und absolut tabu für jeden mit Ganzkörperbehaarung und Sabber im Mundwinkel. Irgendwo will man ja auch mal sitzen können, ohne sich nachher Hundehaare vom Popo klauben zu müssen. Im rechten Hintergrund in roter Messingurne: Spike (Zeitpunkt des Fotos war um den 1. Jahrestages seines Todes mit 14 1/2).




Das andere Ende...
... der Leine ist der Mensch. Und der ist manchmal überaus dumm und schiebt dann dem Hund die Schuld in die nicht vorhandenen Schuhe. Zum Beispiel dann, wenn sich eine Familie mit Kleinkind einen CattleDog-Mix zulegt, diesen dann weder ausreichend beschäftigt noch vor dem Kleinkind schützt, und sich dann wundert, wenn der Hund tatsächlich dem beständig stochernden Finger des Kindes ein Zuschnappen entgegensetzt.

Nun sitzt der arme Kerl seit Ewigkeiten im Tierheim und wie es scheint, will ihn niemand mehr haben, denn ein Hund der einmal geschnappt hat, ist nun mal ein "Ladenhüter". Schade nur, dass es gerade der ausbaden muss, der am wenigsten dafür kann.



Freitag, 11. Februar 2011
Nass, kalt, dunkel...
... geht es draussen zu. Da verfällt man ja beinahe in allertiefste Depressionen, mag sich im Bett verkriechen und vorerst nicht wieder aufstehen.

Diese Gedanken jedoch wischen zwei quicklebendige Hunde gleich wieder fort. Natürlich ist mir trockenes, helles Wetter lieber als diese Matsche da vor der Türe, aber wenn ich mir meine beiden haarigen Vierbeiner so anschaue, dann ist der elendige Matsch nur noch halb so schlimm.

Ein lieber Kerl ist der Maxe geworden und jeden Tag wird er noch ein wenig lieber. Wo er anfangs schon mal auf Durchzug geschaltet hat, ins nächste Gebüsch verschwunden oder noch ein Stückchen weiter gelaufen ist, schaut er nun sofort auf, rufe ich nach ihm. Sogar während seiner berühmten "5 Minuten", die sich durch irres im Kreisgerenne ankündigen, ist er ansprechbar und lässt sich heranrufen. Ich wage hier mal ganz kühn eine Quote von 95 % für erfolgreiche Rückrufe anzusetzen. Allerdings, so muss ich zugeben, ist die nicht alleine mit Freundlichkeit und langatmigen Bitten entstanden, sondern auch, und vor allem in letzter Zeit, durch energischeres Auftreten und hin und wieder eine geworfene Leine in Richtung des Hundes. Wie mir schon von Anfang an klar war, darf man dem Charme von Maxe nicht blindlings erliegen, darf nicht in dem Mitleid für den "armen Hund" stecken bleiben und darf vor allem nicht glauben, dass der Hund nicht genau weiß, was man von ihm verlangt. Er weiß es nämlich, wartet aber gerne ab, ob man auch dabei bleibt oder es sich vielleicht anders überlegt, wenn er nur ein Weilchen zögert. Das darf man ihm jedoch nicht gestatten, denn mit jedem Male, bei dem der Hund durch Zögern oder Herumbummeln ein Kommando erfolgreich ignoriert hat, verfestigt sich eben diese Ignoranz. Und irgendwann begleitet man den Hund auf seiner Runde durch die Felder anstatt dass der Hund den Menschen begleitet.

Dumm ist er nicht, der Maxe, er tut nur manchmal so. Also hat er doch recht schnell begriffen, dass ich es ernst meine, wenn ich ihn rufe. Um ihm nicht den Eindruck zu vermitteln, dass mit jedem Rufen der Spaß vorbei ist, rufe ich auch einfach mal zwischendurch, lobe ihn fürs Kommen und lasse ihn sofort wieder abzischen. Wie sich gezeigt hat, mag der Maxe unterwegs keine Leckerchen, egal, um was es sich handelt, ist jedoch immer dankbar für ein freundliches Wort und ein aufmunterndes "Weiter". Wie es scheint, reicht dem Hund bereits das Wissen, dass alles okay ist, ich mit ihm und seinem Tun einverstanden bin und er sich ganz sicher sein darf und soll, dass wir vollkommen entspannt und in freundschaftlicher Eintracht unsere Runde drehen. Bin ich aufmerksam genug, ihn heranzurufen, bevor er in den Hasenbüschen verschwinden kann, lassen sich so auch seine Jagdambitionen unterbinden.

Es mag makaber klingen, aber gerade Maxens schlimme Erfahrungen sind im Miteinander mit ihm ein Vorteil. Er ist tatsächlich dankbar für jedes liebe und gute Wort, jede freundliche Geste, jedes Lob und jede Bestätigung und er will alles richtig machen und seinen Menschen gefallen. Ein Hund, der keine bösen Erfahrungen gemacht hat, verschwendet wohl keinen Gedanken daran, ob er "gefällt" und "alles richtig macht". So ein Hund ist eben einfach Hund und glaubt, ihm gehöre die Welt ohne Einschränkungen (natürlich im Rahmen der Erziehung, die man ihm angedeihen lässt). Maxe hingegen, stellvertretend für unzählige andere Hunde mit solchem Vorleben, schaut schon sehr darauf, was seine Leute von seinem Tun halten. Bei ihm kann sehr viel über positive Bestätigung erreicht werden, ohne den Hund massregeln zu müssen. Und dort, wo eine hundegerechte Strafe angebracht wäre, reicht es beim Maxe bereits sehr oft, ihn mit den Augen zu fixieren, sich ein wenig aufzuplustern und ein paar Schritt in Habachtstellung auf ihn zuzugehen.

Auch nach nunmehr vier Monaten zeigt Maxe keinerlei Aggressionen gegenüber Menschen und Hunden gegenüber allerhöchstens eine Defensiv-Aggression, wenn er sich von einem fremden Hund zu sehr bedrängt fühlt. In den Gruppenstunden der Hundeschule biedert er sich sogar einem immer wieder aufreitenden Rüden an, unterwirft sich ihm aktiv, läuft diesem sogar nach, um ihm geradezu seine Demut aufzudrängen. Er ist nicht mehr überwiegend damit beschäftigt, Menschen und Hunde zu beobachten und deren Absichten zu analysieren, sondern lässt sich nun tatsächlich auf mich alleine ein und gibt sich alle Mühe, die Übungen gut mitzumachen. Allerdings bringt er uns alle oft zum Lachen, wenn er sich nach einiger Zeit einfach auf den Rücken schmeisst und so zum Ausdruck bringt, dass er nun genug hat und nicht mehr mitmachen mag. Wenn man ihn dann vollkommen ignoriert, springt er irgendwann wieder auf, als wolle er sagen "na gut, ein bisschen noch, aber bitte nicht mehr ganz so lange".

Molly gegenüber ist er ebenfalls sehr lieb und er begegnet ihr mit Respekt, selbst dann, wenn er gerade irgendeine Albernheit im Kopf hat. Die beiden haben sich zu einem wunderbaren Team zusammengefunden und es macht Spass, ihren Umgang miteinander zu beobachten. Manchmal scheint es, als würde Molly diesen tollpatschigen Quatschkopf gar nicht wirklich ernst nehmen, und manchmal sieht es so aus, als würde sie ihn in Begegnungen mit fremden Hunden zu beschützen versuchen. Nötig ist das jedoch nicht, denn Maxe ist so überaus behutsam und vorsichtig, dass er auch dem grössten Raufbold umgehend den Wind aus den Segeln nimmt.

Hin und wieder kommt es mir so vor, als würde Maxe glauben, er wäre gerade mal 6 Monate alt und noch kein erwachsener Hund von ungefähr 19 - 21 Monaten. Es scheint, als wolle er die versäumte Zeit nun einfach nachholen. Inwiefern das Auswirkungen auf das Zusammenleben mit ihm haben wird, wird sich noch zeigen. Momentan ist von Pubertätsgehabe nichts zu merken, stattdessen fühlt man sich bei Maxe eher an einen Welpen erinnert, als an aufstrebenden Halbstarken.

Nach wie vor ist er am Abend froh, wenn Ruhe einkehrt und ab 21.00 Uhr schnarcht er tief und fest und muss zum letzten Pinkeln vor die Tür geschoben werden. Die anfänglichen Prognosen der Hundeschule, wir würden ein Problem mit der Auslastung eines Malamut bekommen, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Und ist jedoch klar, dass Maxe sich beständig weiterentwickelt und wir schauen einfach mal, was da noch kommen mag.



Mittwoch, 2. Februar 2011
Immer kommt es anders...
... als wie man denkt. So geht auch das Geld immerzu andere Wege, als gedanklich geplant. Anstatt der Anschaffung eines rasanten, feldwegtauglichen Tretrollers wird sich gerade Gesundheit teuer erkauft. Ein- bis zweimal in der Woche beim Tierarzt vorstellig zu werden, schlägt schwer zu Buche. Vor allem, wenn man dort immerzu mit zwei Hunden auftaucht, die sich solidarisch alles teilen, was Hund so befallen kann.

Erst waren es die Räudemilben. Die sind nun anscheinend gegangen, aber natürlich wird dennoch im 2-Wochen-Abstand behandelt, zumal dieses Spot-On-Präparat auch gegen Ohrmilben wirksam ist - und die haben beide. Die Hündin hat sich davon inzwischen gut erholt, der Rüde jedoch ist rechtsohrig noch so verkrustet, dass ein Blick aufs Trommelfell nicht möglich ist. Was unter dem schwarzen Dreck los ist, wird nur ein unter Sedierung durchführbarer Tiefenblick zeigen. Die Sedierung jedoch soll auch gleich ein Röntgenbild der Hüftgelenke möglich machen und ist für die nächsten Wochen angedacht. Bis dahin wird weiter abwechselnd gereinigt und geheilt. Dass die Ohren beim Rüden wahrscheinlich eine Lebensaufgabe sein werden, war uns schon klar, bevor die Frau Doktor dieses aussprach.

Während dem Rüden das Ohr das Lieblingsproblem ist, bevorzugt die Hündin das Auge. Nach drei intensiven Behandlungen mit antibakteriellen Tropfen und Salben ist die Rötung zwar weniger, aber nicht gänzlich verschwunden. Für nächsten Montag ist deshalb ein Termin beim Spezialisten für Augenerkrankungen abgemacht. So kann das ja nicht bleiben, auf keinen Fall. Also machen wir den Geldbeutel ein wenig weiter auf und hoffen, dass für die Kohle dann auch mal ein erfreuliches Ergebnis kommt.

Zwischendurch hangeln wir uns durch die Läufigkeit der Hündin, welche sich durch Übernervosität hervortut. Wo es uns an den Nerven sägt, fährt es dem (kastrierten) Rüden in die Leisten. Der jedoch weiß nicht so recht, wie ihm geschieht und äussert dieses durch stetiges Winseln und Jammern, untermalt durch heftiges Kratzen an der Haustür, selbst nicht wissend, wieso eigentlich.

Ich ergebe mich der Begehung der Feldwege auf Schuhsohlen und hoffe sehr auf das Ende der Fahnenstange. Nicht nur des Geldes wegen, sondern vor allem auch für die Hunde, denen das Geschmiere und Getropfe nunmehr genauso auf die Nerven geht wie mir selbst.

Ach, wäre es doch nur endlich Frühling. Mit Licht und Sonne sieht doch alles gleich viel schöner aus...